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'''Manga''' (japanisch ) ist der japanische Begriff für Comics. Außerhalb von Japan bezeichnet er meist ausschließlich aus Japan stammende Comics, wird aber auch für nichtjapanische Werke verwendet, die visuell und erzählerisch stark an japanische Vorbilder angelehnt sind. Eine klare Abgrenzung von Manga durch Stilmerkmale ist wegen der großen formalen und inhaltlichen Vielfalt des Mediums in Japan nicht möglich. Zu den wichtigsten vom Manga beeinflussten Comickulturen gehören die koreanischen Manhwa sowie Manhua aus dem chinesischen Raum. Viele als typisch angesehene Stilelemente von Manga finden sich auch im japanischen Animationsfilm, dem Anime, wieder.

In Japan stellen Manga einen bedeutenden Teil der Literatur sowie der Medienlandschaft dar. Der Mangamarkt ist der weltweit größte Comicmarkt. Die Wurzeln des japanischen Comics reichen bis ins Mittelalter zurück. Seine heutige Form ist jedoch wesentlich durch die westlichen Einflüsse im 19. und 20. Jahrhundert geprägt. Seit den 1990er Jahren sind Mangas neben Animes und Computerspielen ein erfolgreiches kulturelles Exportgut Japans.

Definition, Begriffsabgrenzung und Begriffsgeschichte

Ähnlich wie der westliche Begriff ?Comic? ist auch ?Manga? in seiner Bedeutung eher unscharf und stark abhängig von Kontext, Motiven der Verwendung und Adressaten des Begriffs. Im westlichen Sprachgebrauch versteht man unter Manga in erster Linie Comics, das heißt in Bildfolgen erzählte Geschichten oder Vorgänge, japanischen Ursprungs.

Als kennzeichnende Merkmale einer Definition von Manga nach Stilmerkmalen werden eine niedliche bis kindliche Darstellung der Figuren, oft mit großen Augen, eine hochgradig kodifizierte Bildsprache und lange, filmartig erzählte Geschichten sowie dafür eingesetzte Erzählstrategien, Bild- und Seitengestaltungen verwendet. Für die Kombination dieser Merkmale ? insbesondere die des Charakterdesigns ? wird auch die Bezeichnung ''Japanese Visual Language'' (JVL, dt. ?japanische visuelle Sprache?, nach Neil Cohn In den 1990er Jahren etablierte sich der Begriff in diesem Sinne ? auch in Europa. Seit zunehmend außerhalb Japans Comics entstehen, die sich stark an japanischen Vorbildern orientieren, und das Bild vom Manga durch die über längere Zeit international erfolgreichen Serien geprägt wird, wird der Begriff auch im weiteren Sinne oder bezogen auf Stilmerkmale verwendet.

Entwicklung der japanischen Comics

Wissenschaftliche Kontroverse

In der Kulturwissenschaft ist umstritten, zu welcher Zeit der Manga entstand beziehungsweise ab welchem Zeitpunkt man bei japanischen Comics von Manga sprechen kann. Die Ansichten reichen von einer Ursprungssuche in der mittelalterlichen japanischen Kultur mit ihren Karikaturen und Bildrollen über die Satiren, Drucke und Skizzen der Edo-Zeit, deren heute bekanntester Künstler Katsushika Hokusai ist, über die Umbrüche in der japanischen Kultur und die Einflüsse des Westens um 1900, als Kitazawa Rakuten das Medium prägte, bis zu Osamu Tezuka, der nach dem Zweiten Weltkrieg neue Erzählformen und Themen fand. Die Auffassung einer weit in die Vergangenheit zurückreichenden Geschichte des Mangas gerät zunehmend in Kritik. Sie ignoriere Brüche in der japanischen Kulturgeschichte und diene dazu, Manga als Kulturgut gegen Vorurteile gegenüber Massenmedien zu verteidigen, sowie Manga aus politischen Gründen als urjapanisches Kulturgut auszuweisen. Dabei würden die starken westlichen Einflüsse seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, die für den heutigen Manga von großer Bedeutung sind, verschwiegen oder durch bewusste Wahl der historischen und modernen Beispiele ausgeblendet. In der Hervorhebung Tezukas als Schöpfer des Mangas vor allem in den 1990er Jahren lag auch das Interesse, das Medium als besonders modern darzustellen ? im Gegensatz zur Behauptung einer langen Manga-Tradition durch diejenigen, die die Ursprünge im Mittelalter oder der Edo-Zeit suchten.

Vorgeschichte

Die ältesten bekannten Vorläufer der japanischen Comic-Kunst sind Zeichnungen und Karikaturen aus dem frühen 8. Jahrhundert, die im Jahr 1935 bei Restaurierungsarbeiten am H?ry?-Tempel in Nara auf der Rückseite von Deckenbalken entdeckt wurden. Buddhistische Mönche begannen schon früh, Bildergeschichten auf Papierrollen zu zeichnen. Diese werden Emakimono genannt. Das bekannteste dieser Werke ist die erste von insgesamt vier ''ch?j? jinbutsu giga'' (</ref>

Ab dem späten 17. Jahrhundert folgten ihnen Ukiyo-e genannte Holzschnittbilder, die das unbeschwerte Leben, Landschaften und Schauspieler bis hin zu sexuellen Ausschweifungen zum Inhalt hatten und rasch massenhafte Verbreitung in der Mittelschicht der Edo-Zeit fanden. Einer der Künstler dieser Holzschnitte war Katsushika Hokusai (1760?1849), der dafür den bereits zuvor anderweitig gebräuchlichen Begriff ?Manga? aufgriff. Auch andere Künstler, so Aikawa Minwa noch etwas früher als Hokusai, verwendeten das Wort für ihre Werke. Die ''Hokusai-Manga'' sind Skizzen, die in insgesamt 15 Bänden veröffentlicht wurden und keine zusammenhängende Geschichte erzählen, sondern Momentaufnahmen der japanischen Gesellschaft und Kultur zeigen. In der Rückschau fiel Hokusai durch die Perspektive des Japonismus eine übergroße Rolle als Ukiyo-e-Künstler zu, sodass er zeitweise auch als Erfinder des Wortes Manga galt.

Ein weiterer Teil der Edo-Kultur waren die Kusaz?shi (Allerlei-Bücher), die in einer Mischung aus Bildern und Texten Geschichten erzählen und je nach Farbe ihres Umschlags als Akahon (rot), Aohon (grün) und Kurohon (schwarz) bezeichnet wurden, sowie die in großen Auflagen verbreiteten Kiby?shi (Schriften mit gelbem Umschlag). Sie thematisierten das zeitgenössische Leben und entwickelten sich zu einem beliebten Massenmedium. Bild und Text waren in ihnen eng verzahnt und es traten bereits einige Formen von Sprechblasen und ähnlichen Integrationen von Text in Bildern auf. Daneben gab es weiterhin sogenannte Toba-e, die nun vor allem Karikaturen und Satiren des täglichen Lebens zeigten.

Westlicher Einfluss und erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Nach Ende der '' für Mädchen. Diese enthielten zunächst aber nur wenige Comics oder Karikaturen.

Als erster Vorläufer von Manga in heutigem Sinne gilt die 1902 von Rakuten Kitazawa (1876?1955) gezeichnete Geschichte ''Tagosaku to Mokub? no T?ky? Kembutsu'' (?Tagosakus und Mokubes Besichtigung von Tokio?). Kitazawa griff ?Manga? wieder auf, verwendete es in Abgrenzung zu den älteren Kunstformen und setzte es schließlich als Bezeichnung für die Erzählungen in Bildern durch. Er gründete 1905 das Satiremagazin ''T?ky? Puck'' ? benannt nach dem britischen (später amerikanischen) Satiremagazin ''Puck''

In den 1930er Jahren und insbesondere während des '', Geschichten über einen Panzer mit beliebigen Waffen, sonstiger Ausstattung und Verwandlungsmöglichkeiten. Beide Serien wurden von der erfolgreichen Vermarktung von Spielzeugartikeln und ähnlichem begleitet.

Nachkriegszeit

Nach der japanischen Kapitulation war während der Besatzungszeit das japanische Verlagswesen zunächst strengen Vorgaben der Vereinigten Staaten unterworfen, die das Ziel hatte, dem Militarismus in Japan ein Ende zu bereiten Es gründeten sich zahlreiche neue Kleinverlage, Mangas erschienen wieder in den Zeitungen und in eigenen Magazinen, aber viele auch in Form von sehr billig produzierten prägend. Später widmete sich Tezuka mit ernsthafteren, sozialkritischen Serien einem älteren Publikum. Bis zu seinem Tod 1989 schuf er über 700 Geschichten in unterschiedlichsten Genres. Etwa 70 Prozent der Manga-Publikationen seiner Zeit orientieren sich an den von Tezuka popularisierten Darstellungskriterien, so eine Schätzung von Megumi Maderdonner.

Das von Tezuka und anderen jungen Nachkriegskünstlern umgestaltete Medium Manga erreichte in den 1950er Jahren große Popularität, begünstigt durch den wirtschaftlichen Aufschwung. Vorherrschend waren Alltagsthemen sowie Science-Fiction und klassische Abenteuer-Geschichten, daneben das aufkommende Angebot an romantischen bis abenteuerlichen Geschichten für Mädchen. Parallel entwickelte sich ein florierender , da der Kauf von Büchern für viele noch zu teuer war, und in diesem ein Segment von gewalt- und sexhaltigen, erzählerisch experimentelleren Comics. Auch das japanische Papiertheater Kamishibai, das in den 1950er Jahren mit Aufkommen des Fernsehens ausstarb, hatte Einfluss auf diese Strömung. Die Bewegung grenzte sich vom Manga der an Kinder gerichteten Magazine ab und formierte sich 1959 als Gekiga. Dessen Höhepunkt lag in den 1960er Jahren, als im Kontext der Studentenproteste sozialkritische, gewalthaltige aber auch in der Alltagsumgebung angesiedelte Geschichten für Erwachsene ein größeres Publikum fanden. Diese Themen kamen auch stärker in die großen Magazine. Sport-Manga, teils auch mit sozialkritischer Handlung, wurden beliebter und 1968 kam mit ''Harenchi Gakuen'' der erste erotische Manga heraus ? im ''Sh?nen Jump'', einem großen Magazin für männliche Jugendliche. Mit dem Niedergang des Leihbüchereimarkts Anfang der 1960er Jahre gingen die dort verbliebenen Künstler zu den großen Verlagen oder gründeten neue, an ein erwachsenes Publikum gerichtete Magazine. Aus dem Gekiga und den an erwachsenes männliches Publikum gerichteten Magazinserien ging der Seinen-Manga hervor, geprägt von Kriminal- oder Abenteuergeschichten und kantigeren, realistischeren Zeichenstilen. Zugleich fand Anfang der 1970er Jahre ein derberer Humor sowie allgemein mehr Sex- und Gewaltdarstellungen Verbreitung.

Entwicklung zum kulturellen Exportgut

Nachdem in der Nachkriegszeit eine weibliche Leserschaft mit Geschichten fast ausschließlich männlicher Künstler aufgewachsen war, drängten in den 1970er Jahren zunehmend Frauen in den Manga. Die Gruppe der 24er und andere griffen Elemente aus bereits erfolgreichen Geschichten wie denen Tezukas sowie aus Kabuki und Takarazuka-Theater auf, schufen neue Erzähl- und Gestaltungsmittel und widmeten sich in ihren Geschichten Abenteuer, Liebe und Sexualität. Geschichten spielten oft an exotischen Schauplätzen mit authentischer oder aktueller japanischer Mode. Auch wird erstmals behandelt und das Genre Sh?nen-ai begründet, in dem Liebe zwischen Männern im Mittelpunkt steht.
Zur gleichen Zeit entwickelten sich erste Magazine für erotische Manga.

Im Laufe der 1990er Jahre erhielt der Manga als allgemeines Medium und Kunstform immer mehr Anerkennung. Im Herbst 2000 erkannte die japanische Regierung Manga und Anime offiziell als eigenständige, förderungswürdige Kunstform an und das Medium wurde zum Pflichtstoff im Kunstunterricht, wobei man auf eine Darstellung des Mangas als traditionelle japanische Kunst Wert legte. Um die Popularität japanischer Kultur international zu stärken und auch wirtschaftlich und politisch zu nutzen, wurden besonders ab 2008 Fördermaßnahmen in Form von Stipendien und Auszeichnungen geschaffen. Für diesen Ansatz prägte sich der Begriff vorzugehen. Im gleichen Jahr gab es eine Initiative japanischer Abgeordneter, das Medium als wichtiges kulturelles Exportgut mit einem Nationalen Manga-Zentrum noch stärker zu fördern.

Erzählformen und Stilelemente

Mangas sind meist in Schwarz-Weiß gehalten und werden entsprechend der traditionellen japanischen (Vier-Bilder-Comic). Darüber hinaus gibt es die Bezeichnung Koma-Manga für Comicstrips, die sich nicht an die klassische, in vier Bildern abgeschlossene Form halten.

Für den Story-Manga ? und damit für das Bild von Manga außerhalb Japans allgemein ? prägend ist eine filmische, das heißt inhaltlich ausgebreitete Erzählweise. Bewegungen, Handlungen und Szenerie werden in vielen Details gezeigt, auf viele Bilder kommt nur wenig Text. Der Erzählrhythmus ist auf eine Übereinstimmung von Erzählzeit und erzählter Zeit ausgerichtet, sodass das Gefühl ?dabei zu sein? gefördert wird. Zur Rhythmisierung wird sowohl die Komposition der Einzelbilder, so die gewählten Blickwinkel, als auch die Gesamtkomposition der Seiten eingesetzt. Ein im Manga im Gegensatz zu anderen Comic-Kulturen oft auftretendes Erzählmittel ist die Darstellung von Bewegungen in kleinen Schritten. Zusammen mit dem starken Gebrauch von Lautmalereien, die in die Bildkompositionen integriert werden, und Symbolen ermöglicht dies einen schnellen Lesefluss. Durch die ausgebreitete Erzählweise werden die Geschichten oft hunderte oder tausende Seiten lang und bieten Raum für inhaltliche Tiefe und differenzierte Charakterzeichnung. Entsprechend werden im Vergleich zu amerikanischen Comics häufiger Nahaufnahmen und einzelne Personen statt Personengruppen in einem Panel gezeigt. Der Vergleich zeigt auch, dass japanische Comics weniger Text beinhalten und sich stärker auf die visuelle Umsetzung des Erzählten konzentrieren.

Als Form des Comics stehen dem Manga zunächst alle Stilmittel des Comics zur Verfügung. Dazu zählen die Vereinfachung und Übertreibung von Figuren, Bewegungen und Posen, der Einsatz von Symbolen, Lautmalerei und Typografie. Einige Elemente sind für den Manga von besonders großer Bedeutung, wie etwa der Einsatz von Posen, was auch durch den Einfluss des Kabuki-Theaters erklärt werden kann. Bewegungslinien und Überblendungen werden nicht nur für sich bewegende Objekte verwendet, sondern auch in Form von ?subjektiver Bewegung? für die statische Umgebung, gesehen aus der Perspektive der Bewegung. Die Vermittlung von Emotionen geschieht in erster Linie über die Augen, die dazu auch symbolhaft verzerrt werden. Seit dem Sh?jo-Manga der 1970er Jahre werden besonders große Augen und darüber hinaus abstrakte Hintergründe verwendet, um Emotionen und Stimmungen zu vermitteln. Erstmals verwendete Osamu Tezuka größere, vor allem in den Pupillen detaillierter ausgearbeitete Augen, um Charakter und Gefühle der Figuren darzustellen. Neil Cohn nennt als prägende Merkmale ?große Augen, große Frisuren, kleine Münder und ein spitzes Kinn sowie kleine Nasen?. Zur Verbreitung und Bekanntheit gerade dieser Merkmale trugen ab den 1990er auch viele Manga-Zeichenanleitungen bei, die diesen Stil stets reproduzierten.

Den Ursprung der übergroßen Augen vermutet Frederik Schodt in einem während der Öffnung Japans nach Westen um 1900 entstandenen Schönheitsideal, europäisch auszusehen. Dieses habe sich verselbstständigt, zugleich sei für die Vermittlung von Emotionen besonders geeignet. Ähnlich verhält es sich mit oft anzutreffendem, scheinbar ?weißem? Äußeren auch japanischer Figuren, insbesondere den hellen Haaren und Augen. Eine weitere Herkunft dieser Stilmittel ist die in der Regel fehlende Farbe und die vereinfachten Gesichtsformen, sodass unterschiedliche Haar- und Augenfarben zur Unterscheidung der Charaktere eingesetzt werden.

Inhalte und Genres

Das Medium Manga ist in Japan inhaltlich stark differenziert und deckt jede Altersgruppe und jedes literarische Genre ab. Mit der Zeit haben sich für Manga in Japan mehrere Untergruppen herausgebildet, die je eine demografische Zielgruppe ansprechen. Dies rührt insbesondere aus den Magazinen, die sich je einer Zielgruppe verschreiben. Diese sind:
  • Kodomo für kleine Kinder
  • Sh?nen für männliche Jugendliche
  • Sh?jo für weibliche Jugendliche
  • Seinen für (junge) Männer
  • Josei oder ?Ladies Comic? für (junge) Frauen

Teils wird auch von ''Kazoku Manga'' für Kinder und Familien

Außer den in großen Magazinen veröffentlichten Serien gab es seit dem Zweiten Weltkrieg auch alternative Manga, in denen Stile, Erzählmittel und Themen erprobt werden, die kein großes Publikum finden. So begründete Yoshihiro Tatsumi Ende der 1950er-Jahre den Gekiga, der sich an eine erwachsene Leserschaft richtete. Dieser ging später jedoch in dem größeren Genre Seinen auf. Ab den 1960er Jahren waren die Magazine ''Garo'' und ''COM'' Plattformen unabhängiger Künstler, allerdings konnte sich nur ''Garo'' längere Zeit halten ? bis 2002. Längere Unterbrechungen der Arbeit sind kaum möglich. Erfolgreiche Künstler arbeiten oft an mehreren Serien, die Wochenenden durch und schlafen nur vier oder fünf Stunden pro Tag. Wenn Termine gehalten werden müssen, werden auch Nächte durchgearbeitet. Neben dem Druck der Verlage führt auch der allgemeine gesellschaftliche Druck zu hoher Arbeitsmoral in Japan sowie das Prestige, möglichst viele Serien gleichzeitig zu veröffentlichen, zu diesem Arbeitspensum. In der Regel beschäftigt ein Künstler daher mehrere Assistenten, die Hilfsarbeiten ausführen wie das Zeichnen von Hintergründen, das Tuschen der Zeichnungen oder den Einsatz von Rasterfolien. Die Interaktion beziehungsweise Einbeziehung der Assistenten variiert jedoch stark: während manche Zeichner sie nur Nach- und Detailarbeiten übernehmen lassen und alle kreativen Arbeiten selbst erledigen, arbeiten andere ähnlich wie bei Filmproduktionen mit einem Team, dessen Ideen in das Werk einfließen und das selbstständig Teile übernimmt. Die Assistenten sind nicht immer angestellte Zeichner, sondern bisweilen auch Freunde oder Familienangehörige der Künstler. Erfolgreiche Künstler beschäftigen außerdem neben oft zehn oder mehr Assistenten auch einen Manager. Durch die geforderte Arbeitsgeschwindigkeit ist die Verwendung von Hilfsmitteln wie Rasterfolie zur Flächenfüllung oder vorgefertigter Hintergründe üblich.

Die Aufteilung der Hauptarbeit in einen Zeichner ''(mangaka)'' und einen Szenaristen (''(manga) gensakusha'') ist selten, kommt aber eher bei Serien für Jugendliche vor. Die Szenaristen erreichen dabei selten die gleiche Popularität wie die Zeichner. Sie werden vor allem von Künstlern engagiert, auf denen nach einem ersten Erfolg die Erwartung liegt, weitere beliebte Serien zu schaffen. Vor allem jüngeren Künstlern fehlt dazu jedoch der Erfahrungsreichtum, sodass sie auf Szenaristen oder andere Ideengeber zurückgreifen. Das sind nicht selten auch die Redakteure der Magazine, für die die Künstler arbeiten. Diese wählen die Inhalte ? Themen, Stimmungen und Stile ? der Geschichten für das Magazin aus und suchen entsprechende Künstler, um die gewünschte Mischung im Magazin zu erreichen und damit die Zielgruppe ansprechen zu können. Darüber hinaus greifen die Redakteure nicht selten auch in die Entwicklung der Geschichten ein, halten engen Kontakt mit den Zeichnern, achten auf Einhaltung von Terminen. So hat das Magazin und dessen Redaktion oft erheblichen Einfluss auf den Inhalt einer Mangaserie, die darin erscheint.

  • Jeweils im Abstand von mehreren Monaten erscheinen Taschenbücher mit Schutzumschlag ''(Tank?bon)'', in denen mehrere vorher in den Magazinen erschienene Kapitel einer erfolgreichen Serie in sehr guter Druckqualität zum Sammeln und Aufbewahren neu aufgelegt werden. Die Bücher fassen etwa 200 bis 300 Seiten. Oft enthalten sie Bonus-Kapitel, die nicht vorher in den Magazinen abgedruckt wurden. Neben der normalen Auflage werden auch limitierte Sonderausgaben veröffentlicht, denen exklusive Figuren oder Merchandising-Artikel zur jeweiligen Serie beiliegen.
  • Seit den frühen 2000er Jahren gibt es in zunehmendem Maße die Möglichkeit, Mangas in digitaler Form kostenpflichtig auf mobilen Geräten zu lesen. Die Bildfolgen sind dafür bildschirmgerecht aufgeteilt und teilweise auch durch technische Effekte (z. B. Einsatz der Pager-Funktion bei Actionszenen) aufbereitet, einige Manga-Serien werden exklusiv für Mobiltelefone angeboten. Aufgrund der geringen Downloadkosten von 40 bis 60 Yen (etwa 25 bis 40 Cent) pro Geschichte und der ständigen Verfügbarkeit entwickelte sich der Markt schnell. 2009 verkaufte einer der Anbieter bereits über 10 Millionen einzelne Kapitel pro Monat und seitdem wurden die Angebote auch auf Märkte außerhalb Japans ausgeweitet.
  • Verkaufsorte sind sowohl Kioske als auch Buchläden und Spezialgeschäfte sowie rund um die Uhr geöffnete Konbini. Außerdem gibt es Automaten, die Magazine verkaufen. Seit Anfang der 1990er Jahre existieren Manga Kissa ? Cafés mit zum Lesen ausliegenden Mangas.

    Auflagenzahlen

    Während im Jahr 1967 in Japan von weniger als 50 Manga-Magazinen insgesamt 78 Millionen Exemplare verkauft wurden, waren es im Jahr 1994 von 260 Manga-Magazinen 1.890 Millionen Exemplare und 2006 1.260 Millionen verkaufte Exemplare. '''' mit etwa 1 Million verkauften Exemplaren pro Woche.

    Einzelbände erfolgreicher Serien haben üblicherweise Erstauflagen von 300.000 bis 500.000. Den Rekord hält gegenwärtig Band 56 der Serie ''-Verlag mit einer neunseitigen Zeitungsanzeige warb.
    • One Piece (laufend): 360 Millionen Exemplare
    • Detektiv Conan (laufend): 200 Millionen Exemplare
    • Golgo 13 (laufend): 200 Millionen Exemplare
    • Dragonball (abgeschlossen, 42 Bände): 157 Millionen Exemplare
    • Kochira Katsushika-ku Kameari-k?en Mae Hashutsujo (Kurzform ''Kochikame'', abgeschlossen, 200 Bände): 156 Millionen Exemplare
    • Naruto (abgeschlossen, 72 Bände): 135 Millionen Exemplare
    • Oishimbo (laufend): 130 Millionen Exemplare
    • Slam Dunk (abgeschlossen, 31 Bände): 120 Millionen Exemplare
    • Doraemon (abgeschlossen, 45 Bände): 100 Millionen Exemplare
    • Astro Boy (abgeschlossen, 23 Bände): 100 Millionen Exemplare
    • JoJo no Kimy? na B?ken (laufend): 100 Millionen Exemplare
    • Touch (abgeschlossen, 26 Bände): 100 Millionen Exemplare

    ''Golgo 13'' (gestartet 1968) und ''Kochikame'' (1976?2016) gehören zugleich auch zu den am längsten ununterbrochen laufenden Manga-Serien und zu denen mit der größten Anzahl an Sammelbänden.

    Zusammenspiel mit anderen Medien

    Die Vermarktung von Manga findet oft im Zusammenspiel mit '' 1980 lagen zwischen dem ersten Kapitel des Mangas und der Premiere des ersten Films nur sechs Monate. Durch die zahlreichen Adaptionen haben Mangas einen erheblichen Einfluss auf das japanische Kino und Fernsehen. Der Comic-Markt besteht in Japan, anders als in anderen Ländern, fast ausschließlich aus einheimischen Produktionen. Neben dem Markt der Verlage existiert auch ein Markt für Fanpublikationen, zu dem keine genauen Zahlen erhoben werden können, auf dem aber ebenfalls große Summen umgesetzt werden. Dagegen ist der Sammlermarkt von geringerer Bedeutung als in anderen Ländern.

    1978 erreichte der Umsatz der Manga-Branche 184,1 Milliarden Yen. Auf dem Höhepunkt des Manga-Magazin-Markts 1995 setzte die Branche 586 Mrd. Yen um. Außerdem altert und schrumpft die japanische Bevölkerung insgesamt, wodurch die für Manga besonders wichtige Gruppe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kleiner wird. Darüber hinaus werden wieder mehr Mangas geliehen oder gebraucht gekauft als in den 1990er Jahren, sodass bei gleicher Leserzahl weniger Exemplare abgesetzt werden.

    Zwar verliert der Print-Markt weiter an Bedeutung, allerdings wird dies seit 2014 durch den stark wachsenden Digitalmarkt wie Manga-E-Books abgefangen, so dass der Manga-Markt sich insgesamt auf etwa 450 Mrd. Yen stabilisiert hat. 2017 überstieg der Umsatz von digital verkauften Serien erstmals den von Taschenbüchern.

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    <small>Quelle: The All Japan Magazine and Book Publisher?s and Editor?s Association (AJPEA),
    1978?2011 (Daten grafisch abgelesen mit Genauigkeit ±1%),
    2011 Zu den bedeutenderen mittleren Verlagen zählen Hakusensha, Akita Shoten, ASCII Media Works (seit 2013 Teil von Kadokawa), Square Enix, Kadokawa Shoten, ?zora Shuppan, Futabasha und Sh?nen Gah?sha. Kleinere Verlage spezialisieren sich oft auf bestimmte Genres oder Zielgruppen.

    Seit dem verstärkten Aufkommen digitaler Verbreitung in den 2000er Jahren werden auch Mangas häufiger und international illegal verbreitet. Dies wird durch Künstler und Verlage zunehmend als wirtschaftliche Bedrohung wahrgenommen. Neue Geschäftsmodelle wie verstärkte Angebote von legalen digitalen Mangas wie auch kostenlose Bereitstellung bei Finanzierung über Werbung oder Verkauf von Merchandising werden dem entgegengesetzt, jedoch ohne dass immer zufriedenstellende finanzielle Ergebnisse erzielt werden können. Die Künstler selbst haben, im Gegensatz zu Musikern, kaum die Möglichkeit, Geld durch Live-Auftritte zu verdienen. Befördert wird die digitale, illegale Verbreitung auch durch Leser, die ihre Mangas zur besseren Lagerung für den Eigenbedarf scannen, dann aber auch anderen zugänglich machen.

    Gesellschaftliche Bedeutung

    Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen Comics als reine Kinder- und Jugendliteratur bzw. nur als Unterhaltungsmedium gelten, sind Comics in Japan als gleichberechtigtes Medium und Kunstform anerkannt und werden von Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen konsumiert. Comic lesende Pendler oder Geschäftsleute sind nichts Ungewöhnliches, auch Politiker bis zu Premierministern geben Mangalesen als Hobby an oder nutzen Mangas als Medium. Der öffentliche Raum ist besonders während der Fahrt zur Arbeit ein üblicher Ort zur Rezeption von Manga-Magazinen oder Sammelbänden. Außerdem besteht eine große Tauschkultur (?mawashiyomi?), sodass viele Bände durch mehrere Hände gehen, und Manga Kissa ? Cafés mit ausliegenden Mangas ? sind als Orte zur preiswerten Lektüre beliebt. Von Verkäufern verboten, aber dennoch verbreitet ist ''tachiyomi'' (?im Stehen lesen?) ? das Lesen von Mangas in der Auslage der Läden, ohne sie zu kaufen.

    Manga spiegeln in Japan wie andere Medien auch gesellschaftliche Werte und Entwicklungen wider. So haben die Samurai-Traditionen des Bushid? im Sh?nen-Manga Niederschlag gefunden. Zugleich erfährt der Umgang mit diesen Werten immer wieder Veränderung ? von der Glorifizierung des Krieges bis zur Darstellung persönlicher Dramen vor historischem Hintergrund oder die Übertragung der Werte in Sport und Beruf.

    Die Ästhetik von Manga ist in der japanischen Kultur so weit akzeptiert und verbreitet, dass sie oft nicht nur für Manga selbst, sondern auch für Schilder, Illustrationen und Werbefiguren verwendet wird. Als Werbeträger dienen sowohl etablierte Figuren aus bekannten Mangaserien als auch eigens für die Werbung geschaffene Figuren. Dazu kommen Produkte, die aus der Vermarktung erfolgreicher Serien entstehen. Die Strategie hinter dem Einsatz der Manga-Ästhetik außerhalb der Serien und insbesondere in Anleitungen und Schildern liegt darin, über ikonische Zeichen und Figuren Orientierung zu vermitteln und komplizierte Abläufe verständlich zu machen. Um die Überwindung von Sprachbarrieren geht es in der Regel nicht, da die Illustrationen fast nur von Japanern angeschaut werden und mit japanischem Text versehen sind.

    Der Erfolg von Manga in Japan wird gern damit erklärt, dass die Alphabetisierung schon lange hoch war, das Fernsehen relativ spät eingeführt wurde oder es in den großen Städten viele Pendler gibt, die Manga auf der Fahrt lesen. Jason Thompson erklärt den Erfolg eher mit der Fähigkeit der Autoren, sehr lange Geschichten zu erzählen, die ihre Leser mitreißen sowie mit einem größeren Fokus der Aufmerksamkeit und der Urheberrechte auf den Künstlern statt auf Franchises, der zugleich zu einem starken Wettbewerb unter den Künstlern führt. Frederik Schodt sieht einen Grund für den Erfolg der Comics in dem in Japan herrschenden Leistungsdruck ab der Mittelschule sowie dem Leben in dicht besiedelten Städten. Dies führe dazu, dass sich viele eine Freizeitbeschäftigung suchen, die schnell und kurz sowie ohne Störung von anderen konsumiert werden kann, überallhin mitgenommen werden kann und zugleich die Möglichkeit bietet, aus dem anstrengenden, wenig motivierenden Alltag zu entfliehen, wie es ähnlich auch Paul Gravett beschreibt. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten sei es der Comicszene in Japan außerdem gelungen, die seit den 1950er Jahren immer wieder bestehenden Zensurbestrebungen ? vor allem von Lehrer- und Elternverbänden ? sowohl politisch wie wirtschaftlich zu überstehen. Von anderen wird der Erfolg des Mediums auch japanischen Besonderheiten zugeschrieben: So gebe es in Japan durch die aus einer großen Zahl ursprünglich bildhafter Symbole bestehenden Schrift und die lange Tradition stilisierender beziehungsweise karikierender Malerei eine Affinität zu entsprechend symbolhaften Darstellungen und bildlichem Erzählen. Insbesondere direkt nach dessen Tod wurde auch Osamu Tezuka persönlich, seinem Engagement und dem großen Umfang und der Vielfalt seines Werks ein großer Anteil am Erfolg des Mediums zugeschrieben.

    Gesellschaftliche Kritik

    Kritik am Medium Manga gibt es in Japan seit den 1950er Jahren, als auch in den USA und Europa Comics im Zentrum gesellschaftlicher Medienkritik standen. Dabei wurde die in westlichen Ländern verbreitete Kritik, Mangas würden verhindern, dass Kinder richtig lesen lernen, nur selten erhoben. Ihr gegenüber steht die in Japan sehr hohe Alphabetisierung von etwa 99 %.

    Ebenfalls Anfang der 1990er Jahre gab es eine Kampagne gegen die stereotype Darstellung von Afrikanern und Afroamerikanern in Mangas. Die Stereotype mit Ursprüngen in Kolonialismus, Sklaverei und Rassismus wurden bis dahin kaum bemerkt oder unbedacht humoristisch eingesetzt. Diese wurden nun international von Minderheitenvertretern stärker wahrgenommen, jedoch wegen Auswahl und mangelnder Sprachkenntnis teils in wiederum verzerrter Form. In Folge der Debatte wurden einige Geschichten umgezeichnet oder ältere Werke kommentiert und bei Redaktionen und Zeichnern herrschte danach ein größeres Problembewusstsein, aber auch die Sorge, unberechtigter Kritik ausgesetzt zu werden, und daher das gänzliche Vermeiden afrikanischer oder afroamerikanischer Figuren. Otaku wurden seit Aufkommen der Szene in den 1980er Jahren von der Gesellschaft und Medien als gestörte Stubenhocker gebrandmarkt und grenzten sich ? auch als Reaktion darauf ? bewusst von der Gesellschaft ab. Für Fans, die besonders viele Serien sammeln und nicht mehr alle Bücher lagern können, wird zunehmend eine Dienstleistung namens ''jisui'' angeboten: ein Unternehmen scannt für den Kunden dessen Bücher, die er dann nur noch als digitale Kopie aufbewahrt.

    Seit den 1970er Jahren entwickelte sich eine starke Fanszene, die wesentliche Überschneidungen zu der von Animes aufweist. Fans sind oft selbst kreativ tätig. Beliebte Formen sind s, in denen die Bedienung kostümiert ist.

    Forschung zum Manga und eine Szene von Kritikern konnte sich trotz weiter Verbreitung und gesellschaftlicher Anerkennung bis in die 1990er Jahre nicht entwickeln. Allein den Comicstrips war ab den 1960er Jahren bereits einige Aufmerksamkeit von Forschern und Kritikern zuteilgeworden. Das erste Museum, das sich umfangreich mit Manga beschäftigte und gezielt sammelte, war das 1989 eröffnete Kawasaki City Museum. Ein erster Studiengang entstand 2006 an der , weitere folgten. Im gleichen Jahr eröffnete das Ky?to International Manga Museum. Das Forschungsfeld konzentriert sich bisher auf historische Betrachtungen des Mediums sowie spezifische Aspekte der visuellen Sprache und des Erzählens. Außerdem wurden soziologische Themen wie die Verbindung von Genres und Gender oder Subkulturen untersucht.

    Preise und Auszeichnungen

    Zu den bedeutendsten im Manga-Bereich verliehenen Preisen gehören als älteste Auszeichnung der vom gleichnamigen Verlag 1956 ins Leben gerufene Sh?gakukan-Manga-Preis für die besten Mangas, sowie der seit 1977 verliehene Kodansha-Manga-Preis und der seit 1997 von der Zeitung Asahi Shimbun jährlich in vier Kategorien vergebene Osamu-Tezuka-Kulturpreis für herausragende Zeichner und Personen oder Institutionen, die sich um die Mangas besonders verdient gemacht haben.

    In jüngerer Zeit werden auch Auszeichnungen von politischen und Kulturinstitutionen vergeben. Dies sind der Internationale Manga-Preis des japanischen Außenministeriums, der Japan Media Arts Award des japanischen Kulturamts und der von mehreren Museen vergebene GAIMAN Award. Darüber hinaus werden Mangas in Japan immer wieder auch mit Literaturpreisen ausgezeichnet.

    Internationale Verbreitung

    Allgemeine Entwicklung und Wirkung

    Die internationale Verbreitung von Manga wurde durch den vorhergehenden Erfolg von Anime, japanischen Animationsfilmen, gefördert. Auch dabei spielte, wie bei der Geschichte des Mangas selbst, Osamu Tezuka eine bedeutende Rolle, da gerade die von ihm produzierten Verfilmungen seiner Manga-Serien im Ausland großen Erfolg hatten. Die Verbreitung von Anime-Serien insbesondere in den 1990er Jahren führte schließlich dazu, dass die Stilmerkmale von Manga einem jungen Publikum vertraut wurden und sie dem Medium offener gegenüber standen. Darüber hinaus waren diese Serien stark mit Merchandisingprodukten wie Spielzeug verknüpft, in deren Gefolge auch die Mangaserien vermarktet wurden. Das Vorurteil eines von Gewalt und Sex durchdrungenen und zugleich kindischen Mediums bestand bereits seit den 1960er Jahren, als es im Westen erste Berichte über japanische Comics gab, die Aufsehen erregende Beispiele herausgriffen. bekannt und verbreitet.

    Der Erfolg von Manga außerhalb Japans und insbesondere bei der Generation der 1980er und 1990er Jahre wird gern mit seiner Andersartigkeit erklärt, die der Abgrenzung zu anderen Kulturprodukten und der Elterngeneration diene. Jedoch war dieser Generation der Stil von Manga gar nicht so fremd, da sie bereits über Animeserien damit vertraut wurden. Die Ästhetik von Manga und Anime fand mit der internationalen Popularisierung der Medien auch über die Konsumenten der japanischen Werke hinaus Verbreitung, Akzeptanz und Gefallen, sodass sie auch in nicht-japanischen Produktionen aufgegriffen wurde. Besonders in der Fanszene, aber auch darüber hinaus, entstand außerdem ein größeres Interesse an anderen Aspekten der japanischen Kultur. In einigen Jugendkulturen entstand seit den 2000er Jahren eine Japan-Mode, sodass Japan hier größeren Einfluss als die früher Vorbild gebenden .

    Ein für die Verbreitung wichtiger Weg war das Internet, über das zunächst Informationen über das Medium und dann zunehmend auch übersetzte Serien leicht zugänglich wurden. Diese sogenannten Scanlations waren wie zuvor schon die in der Fanszene kursierenden Kopien illegal, dennoch hatte diese Verbreitung großen Anteil an der Popularisierung und schließlich auch dem kommerziellen Erfolg von Mangas außerhalb Japans. Die im Laufe der 2000er Jahre immer einfachere Zugänglichkeit und Umfang der illegalen Kopien wird jedoch auch für einige Marktschwankungen, wie in den USA, mitverantwortlich gemacht und nimmt anders als in Japan einen erheblichen Anteil des Konsums ein. Dem gegenüber steht, dass viele Serien nur sehr spät, langsam oder nie außerhalb Japans veröffentlicht werden und daher illegale Kopien oft der einzig mögliche Zugang sind. Viele Scanlationgruppen werden außerdem von den Verlagen toleriert, da sie ihre Fanübersetzungen zurückziehen und zum Kauf aufrufen, sobald die Serie für das Zielpublikum offiziell veröffentlicht wurde. Scanlations haben auch Druck auf die Verlage ausgeübt, Manga möglichst originalgetreu zu veröffentlichen und waren Vorbild beispielsweise bei der unveränderten Übernahme von Lautmalereien und japanischen Anreden in Übersetzungen. Das trug dazu bei, vielen Manga-Veröffentlichungen im Westen einen eher exotischen Charakter zu verleihen, anstatt dass sie an das heimische Publikum angepasst wurden.

    Manga hat Comics im Westen, die hier zuvor fast ausschließlich an männliche Leser gerichtet waren, für ein weibliches Publikum attraktiv gemacht und dem Medium so eine wesentlich größere Leserschaft erschlossen. Die interkulturell anschlussfähigen und übertragbaren Stilmerkmale und Erzählstrategien des Manga wurden in den etablierten internationalen Fanszenen aufgegriffen, in denen Werke entstanden, die von den japanischen Vorbildern inspiriert waren. Auf diese Weise entstanden diverse internationale ?Ableger?, die sich oft stärker mit Manga identifizieren als mit der jeweils nationalen Comickultur. Eng mit der japanischen Kultur verbundene Aspekte des japanischen Comics gingen dabei verloren, die Stilmerkmale wurden globalisiert. Unterstützt wurde dies durch den Erfolg von ''How-to-Draw-Manga''-Anleitungen, die diese Merkmale außerhalb Japans verbreitet und standardisiert haben.

    Allgemein kann Manga zusammen mit Anime als ein Beispiel kultureller Globalisierung gelten, das nicht vom Westen ausging. Im Prozess der Verbreitung von Mangas zeigen sich sowohl globale Homogenisierung als auch Heterogenisierung, indem Teile der japanischen Kultur weltweit wirken, dabei aber selbst oft von ihrem Ursprung entfremdet und kulturell angepasst werden. In einem zweiten Schritt werden diese importierten Aspekte in lokale Comickulturen integriert. Darüber hinaus wirkt Manga einer kulturellen Dominanz der Vereinigten Staaten entgegen, wobei sich diese Wirkung kaum über den Kulturbereich von Comics hinaus erstreckt.

    In Taiwan sind Manga so erfolgreich, dass die meisten großen japanischen Magazine auch hier erscheinen. Zugleich war das Land lange Zeit eines derjenigen mit den meisten illegalen Kopien ? der größte dieser Verlage war politisch nicht erwünscht und daher Zensur unterworfen. Diese griff wegen der illegalen Kopien jedoch kaum und Taiwan war trotz der Einschränkungen Sprungbrett für die Weiterverbreitung von Mangas in andere Länder Ostasiens. So konnten Mangas seit den 1950er Jahren den Comicmarkt in Taiwan und die lokale Comickultur prägen. Zeitweise wurde dies von den Zensurbehörden hingenommen, später wurden anti-japanische Strömungen genutzt, um den einheimischen Comic zu fördern. In den 1990ern entwickelte sich ein Lizenzmarkt, in den die meisten der vorherigen Piratenverlage einstiegen.

    Auf Korea hatten die japanischen Comics bereits früh Einfluss, da während der japanischen Kolonialherrschaft viele japanische Produkte in das Land kamen und ein reger Austausch stattfand. Nach der Befreiung 1945 waren japanische Produkte dagegen geächtet und lange Zeit deren Import und Verbreitung gesetzlich verboten. Dennoch gelangten ab den 1950er Jahren immer mehr Mangaserien als unlizenzierte Kopien nach Südkorea, wo sie häufig ohne Herkunfts- und Autorangabe oder mit koreanischen Autoren versehen verbreitet wurden. Die offiziell durch die koreanische Zensur gelangten Kopien waren oft durch koreanische Zeichner von der japanischen Vorlage abgezeichnet. Den Höhepunkt erreichte der nicht-lizenzierte Markt in den 1980er Jahren, ehe ab 1990 das Verbot japanischer Produkte gelockert und Lizenzverträge abgeschlossen wurden. So wurde erstmals überhaupt bekannt, dass viele der beliebten Serien japanischen Ursprungs waren, was zu nationalistisch motivierter Kritik und Sorge um zu großen japanischen Einfluss führte. Mangas wurden für die Darstellung von Gewalt und Sexualität kritisiert und als schlechter Einfluss auf die koreanischen Kinder dargestellt. Zugleich entwickelte sich ein Magazin- und Taschenbuchmarkt nach japanischem Vorbild, auf dem zunehmend auch die einheimischen Künstler Fuß fassen konnten. Als Folge der Kritik an Mangas fördert die südkoreanische Regierung seitdem stärker die nationale Comicbranche, den Manhwa. Die starken japanischen Einflüsse auf diese sind wegen der Ablehnung japanischer Kultur gesellschaftlich umstritten oder werden sogar verleugnet. Die ersten offiziell in China veröffentlichten Mangas waren ab 1981 ''Astro Boy'' und ''Kimba''. Auf die Verbreitung von Mangas in China und Taiwan folgten auch die Staaten Südostasiens. In Singapur waren Mangas Ende der 1990er Jahre die beliebtesten Comics. Dort, in Thailand, den Philippinen und Malaysia verbreiteten sich wie in den Nachbarländern Japans zunächst illegale Kopien in großem Maße, ehe lizenzierte Veröffentlichungen folgten. In jedem der Länder dominieren Mangas die Comicmärkte.

    Die ersten Mangas in den USA waren zur Anpassung an die übrigen Comicpublikationen auf Albenformat vergrößert und auf westliche Leserichtung gespiegelt worden. In dieser Phase waren die meisten Manga-Figuren daher scheinbar Linkshänder und japanische Schriftzeichen auf Schildern und Plakaten wurden seitenverkehrt abgedruckt. doch erst Tokyopop brachte ab 2002 Manga-Serien konsequent ungespiegelt heraus. Statt der Spiegelung finden jedoch immer wieder andere Anpassungen statt, wenn die Darstellungen nach amerikanischen Vorstellungen zu gewalthaltig oder zu stark sexualisiert sind. Dies hängt immer wieder auch damit zusammen, dass in den USA auf ein jüngeres Publikum abgezielt wird als in Japan.

    Im Jahr 2005 betrug der Umsatz des nordamerikanischen Manga-Marktes etwa 125 bis 145 Millionen Euro, Mangas waren das am stärksten wachsende Segment des amerikanischen Verlagswesens. Ende der 2000er Jahre jedoch gingen die Verkäufe in den USA wieder zurück: Von 2007 bis 2009 schrumpfte die Zahl der Verkäufe um 30 bis 40 %. Das wird als Konsolidierung eines überstrapazierten Marktes und Folge eines Überangebots gesehen ? das Medium Manga selbst blieb beliebt und verschwand dadurch nicht, die Fanszene ist seither eher noch gewachsen.

    Europa

    Als erster Manga in Europa erschien ''''. Mehrere neue Verlage und kurzlebige Fanmagazine entstanden. Heute wird der Markt von drei großen sowie mehreren kleinen, stark spezialisierten Verlagen bedient. Auch in Italien nahm der Vertrieb von Mangas im Laufe der 1990er Fahrt auf. Es erschienen die Magazine ''Mangazine'' und ''Zero'', die mehrere Serien herausbrachten, später folgten weitere Magazine. Auch hier dominierten nun Mangas für das männliche Publikum und neue, spezialisierte Verlage entstanden. Ende des Jahrzehnts kam die Veröffentlichung im japanischen Taschenbuchformat auf sowie eine größere inhaltliche Vielfalt.

    In allen westeuropäischen Ländern ging der Erfolg von Manga einher mit Krisen der nationalen Comicmärkte in den 1980er und 1990er Jahren, ausgelöst durch das aufkommende Privatfernsehen oder inhaltliche und verlegerische Stagnation. Der Manga-Markt in Großbritannien entwickelte sich später als in den meisten übrigen europäischen Ländern. Während im Jahr 2001 etwa 100.000 Manga-Bände mit einem Gesamtumsatz von umgerechnet 2 Millionen Euro verkauft wurden, waren es im Jahr 2005 knapp 600.000 Bände mit einem Gesamtumsatz von umgerechnet 7,6 Millionen Euro. Die meisten Mangas in Großbritannien werden nach wie vor aus den USA eingeführt, der erste britische Manga-Verlag wurde im August 2005 gegründet, der zweite 2006. Jedoch gab es schon seit 1991 mit Manga Entertainment einen Anime-Vertrieb im Vereinigten Königreich, der auch Mangas veröffentlichte.

    Nach Russland kamen Mangas bereits in den 1980er Jahren durch sowjetische Diplomaten und es entstand eine kleine Fanszene, die sich über oft illegale Wege Kopien japanischer Comics beschaffte. Erst 2005 erschien beim Verlag Sakura Press mit '''' der erste lizenzierte Manga in Russland. Im gleichen Jahr kamen erste Mangas in Polen heraus, die dort großer gesellschaftlicher Kritik ausgesetzt waren. 2010 machte das Segment 70 % des polnischen Comicmarkts aus und wird von zwei polnischen Verlagen und Egmont bedient. In den Ländern Nordeuropas entstanden vereinzelt eigene Verlage, die sich jedoch nicht alle lange halten konnten. Die Märkte werden daher auch von internationalen Verlagen und deren lokalen Töchtern bedient.

    Ab 2000 nahm der künstlerische Einfluss des Mangas auf die europäischen Zeichner zu. Frederic Boilet, der bereits mit japanischen Zeichnern gearbeitet hatte, proklamierte 2001 die Bewegung des ''Nouvelle Manga''. Der Austausch mit den japanischen Künstlern sollte verstärkt werden, von den japanischen Erzähltechniken und der Vielfalt der Inhalte und Zielgruppen gelernt und die Unterschiede zwischen den nationalen Comic-Traditionen beseitigt werden. Viele französische Künstler ließen seitdem Manga-Stilmittel in ihre Arbeiten einfließen. Es entstand der Begriff ''Euromanga'' für diese Werke.

    Deutschland

    Der Begriff ?Manga? als Name für die Werke '' 1991 zwar gespiegelt und koloriert in Alben veröffentlicht, wurde aber nicht mehr als ein Achtungserfolg.

    Der Durchbruch für Manga in Deutschland kam Ende 1996 mit der ungespiegelten Serie '' jährlich über 800 Manga-Bände.

    Die Entwicklung des Manga-Booms in Deutschland lässt sich zum Beispiel an den Umsatzzahlen des Carlsen-Verlags ablesen: Während der Verlag 1995 Manga für knapp 400.000 Euro verkaufte, lag sein Manga-Umsatz im Jahr 2000 bei über vier Millionen Euro und 2002 bei über 16 Millionen Euro. Die deutsche Comicbranche ist wie keine andere in Westeuropa abhängig vom Manga.

    Die Veröffentlichungen geschehen zwar fast immer ungespiegelt, jedoch manchmal auf andere Weise verändert oder es wird bereits verändertes Material aus den USA übernommen, um anderen Vorstellungen über die Darstellbarkeit von Sex und Gewalt entgegenzukommen oder Kritik vorzubeugen. So werden meist auch '' hielt sich noch bis Mai 2012.

    Die Manga-Leserschaft war laut einer großangelegten Umfrage von 2005 im Wesentlichen zwischen 14 und 25 Jahren alt, nur 12 % älter als 25. Dieser kleine Teil älterer Fans spielte jedoch eine große Rolle in der Etablierung der Szene, so in der Gründung von Magazinen, Veranstaltungen und Plattformen. 70 % der Befragten waren weiblich. Frauen machen auch die überwiegende Mehrheit des selbst kreativen Teils der Fanszene aus. Die thematischen und ästhetischen Interessen sind außerordentlich breit gestreut, auch wenn fantastische Stoffe vorherrschen, und es wird von den Befragten eine große Bandbreite an Lieblingswerken genannt. Allein bei der Frage nach dem ersten gelesenen Manga stechen ''Dragonball'' und ''Sailor Moon'' hervor.

    Nachdem der Comicmarkt in Deutschland seit den 1980er Jahren rückläufige Verkäufe bei stetig steigenden Preisen verzeichnete, wurde dieser Trend durch den Erfolg von Manga in den 1990er Jahren gebrochen. Die günstige Veröffentlichungsform und die neuen Inhalte sprachen nun wieder ein breiteres, jüngeres und erstmals weiblicheres Publikum an. Seit der Jahrtausendwende haben Manga auf etablierten deutschen Literaturveranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse und der Leipziger Buchmesse eigene Messebereiche. Das Segment wurde ? in Verbindung mit Cosplay ? zu einem der Publikumsmagneten der Messen und bringt ihnen viele junge Besucher. Beim Sondermann-Preis der Frankfurter Buchmesse gab es zeitweise zwei Kategorien für Manga ? national und international ? und es entstanden Manga-Zeichenwettbewerbe, die vom Manga inspirierte deutsche Künstler suchen. Seit Anfang der 2000er etablierten sich so auch einige deutsche Künstler, die aus der Manga-Fanszene stammen und Manga-typische Stile, Erzählstrategien, Themen und Genres in ihren Werken aufgreifen.

    Siehe auch

    • Liste der Manga-Titel
    • Liste der Manga-Magazine
    • Liste der Mangaka

    Literatur

    • Osamu Tezuka (Vorwort), Frederik L. Schodt: ''Manga! Manga! The World of Japanese Comics''. Kodansha America, 1983, ISBN 0-87011-752-1 (englisch).
    • Frederik L. Schodt: ''Dreamland Japan: Writings on Modern Manga''. Diane Pub Co., 1996, ISBN 0-7567-5168-3 (englisch).
    • Sharon Kinsella: ''Adult Manga: Culture and Power in Contemporary Japanese Society''. University of Hawaii Press, 2000, ISBN 0-8248-2318-4 (englisch).
    • Masanao Amano, Julius Wiedemann (Hrsg.): ''Manga Design''. Taschen Verlag, 2004, ISBN 3-8228-2591-3.
    • Stephan Köhn: ''Traditionen visuellen Erzählens in Japan''. Harrassowitz Verlag, 2005, ISBN 3-447-05213-9.
    • Paul Gravett: ''Manga ? Sechzig Jahre japanische Comics''. Egmont Manga & Anime, 2006, ISBN 3-7704-6549-0.
    • Miriam Brunner: ''Manga ? Faszination der Bilder: Darstellungsmittel und Motive''. Wilhelm Fink, München 2009, ISBN 978-3-7705-4879-8.

    Weblinks

    • Deutschsprachige Manga-Datenbank ''aniSearch''
    • The Incomplete Manga-Guide ? Verzeichnis für auf Deutsch veröffentlichte Manga

    Einzelnachweise